Wow, deine Kamera macht so schöne Fotos, welche hast du denn?

Mittlerweile muss ich über diese Frage, die mich früher noch gekränkt hat, eher schmunzeln. Auf einer Fotoreise vor vielen Jahren, bei der ich als Teilnehmerin mit einer Canon 600D dabei war, sagte ein anderer Teilnehmer zu mir „Hach, du hast ja eine Anfängerkamera. Ich hab mir die 6D geholt“ – der Konter der damals leitenden Fotografin liegt mir heute noch im Ohr, nämlich dass es nicht auf die Kamera, sondern auf den Menschen, der dahinter steht, ankommt. Wie wahr.

Egal welche Kamera du hast. Du kannst mit jeder das Fotografieren lernen. Von mir bekommst du hier die besten Tipps, wie du…

… den Automatikmodus für immer los wirst

… und damit bessere Fotos machst

… wie du deine Bilder so aufbaust, dass du eine Spannung erzeugst

… in Null Komma Nix fotografieren lernst 

Viel Spaß beim Lesen und Üben.

Inhaltsverzeichnis

1. Die wichtigsten Symbole auf der Kamera

Ich habe in der Einleitung bereits geschrieben, dass es ganz egal ist, welche Kamera du hast. Auch wenn du eine Pocketkamera hast, mit der du (fast) keine manuellen Einstellungen vornehmen kannst oder nur mit dem Handy fotografierst, so kannst du dir hier trotzdem viele Tipps für den Bildaufbau und zum Thema Licht holen. 

Die vielen Zeichen auf der Kamera sind für Einsteiger verwirrend. Aber ich kann dich beruhigen, die wichtigsten kennst du innerhalb kürzester Zeit in und auswendig. Und die weniger wichtigen liest du einfach nach wenn sie dir unterkommen oder du sie brauchst. 

Modus Wahlrad

Mit dem Modus Wahlrad, das sich meistens an der Oberseite der Kamera befindet, bestimmst du den Motivbereich-Modus.

P … Programmautomatik. Mein Ziel ist es, dich von diesem Modus komplett wegzubringen und dir stattdessen beizubringen, wie du die Einstellungen so setzt, dass du die besten Ergebnisse erzielst.

S (T, Tv) … Blendenautomatik oder Zeitvorwahl. Das ist eine von zwei Halbautomatiken. Bei dieser stellst du die Verschlusszeit ein und die Kamera wählt dazu die Blende. Das S kommt von Shutter priority, das Tv von Time value. 

A (Av) … Zeitautomatik oder Blendenvorwahl. Das ist der zweite Halbautomatik-Modus. Bei diesem stellst du die Blende ein und die Kamera wählt dazu die Zeit. Beachte, dass die Kamera nicht weiß, ob du mit Stativ fotografierst. Ab einer bestimmten Belichtungszeit werden die Fotos, die Freihand geschossen werden, nicht mehr scharf. Das A kommt von Aperture, dem englischen Wort für Blende.

M … Manuelle Belichtungseinstellung. Bei dieser Einstellung wählst du sowohl die Blende als auch die Belichtungszeit

B … Bulb Modus. Diese Einstellung verwendest du für Langzeitbelichtungen ab 30 Sekunden.

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Hier findest du eine Beschreibung der Symbole, die du auf der Kamerarückseite findest. Die Symbole können je nach Kamerahersteller ein wenig variieren, zum Beispiel die Belichtungsspeicherung, die bei Canon mit einem Stern und bei Nikon mit der AE-L/AF-L Taste funktioniert. 

Foto ©Canon, Beschriftung: suitcase and wanderlust
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Mit der Q Schnelleinstelltaste (bei Canon) kannst du schnell auf die einzelnen Einstellparameter springen. 

2. Das Licht

Kommen wir zu etwas viel Spannenderem als Kamerasymbole, nämlich einem sehr wichtigen Faktor in der Fotografie, dem Licht. Nicht umsonst heißt Fotografieren „Zeichnen mit Licht“ (es setzt sich zusammen aus den altgriechischen Wörtern photós (Licht) und graphein (zeichnen). 

Grundsätzlich möchte ich dir vorab mitgeben, dass das Licht zum Fotografieren am Morgen und am späten Nachmittag am Besten ist. Warum? Weil die Sonne noch tief steht und sie dadurch warm und golden wirkt. Goldenes Licht wirkt warm und harmonisch – Emotionen, die der Mensch in der Regel bevorzugt. Die Stunde mit dem goldenen Licht wird auch goldene Stunde bezeichnet. 

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Vor allem wenn man reist, ist es nicht immer möglich, ausschließlich zu den „guten“ Zeiten zu fotografieren. Beachte, dass das Licht zur Mittagszeit und am frühen Nachmittag sehr hart ist, da die Sonne sehr hoch steht. Dadurch wirft sie lange und harte Schatten, die für viele Motive nicht geeignet sind. Landschaften zum Beispiel wirken platt und langweilig und ohne Tiefe und Struktur. In einer Großstadt mit Wolkenkratzern allerdings kann die hochstehende Sonne durchaus ein Vorteil sein, weil du dann einen Straßenblock im Licht wiederfindest. Gebäude mit Säulen und Symmetrie eignen sich auch sehr gut für das Mittagslicht, um Schatten als Motiv in Szene zu setzen.

Auch die blaue Stunde möchte ich dir zum Fotografieren ans Herz legen. Sie ist die Zeit am Morgen vor Sonnenaufgang und am Abend nach Sonnenuntergang. Wenn die Sonne zwischen 4 und 8 Grad unter dem Horizont steht, absorbiert die Ozonschicht der Erde die gelben und roten Farbteile des Sonnenlichts. Übrig bleiben die blauen Farbanteile und daher färbt sich der Himmel während dieser Phase tief blau. Hier findest du meine Tipps zum Fotografieren in der blauen Stunde und welche Motive sich besonders eignen.

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NEGATIVBEISPIEL: Dieses herzige Dorf in der Provence habe ich im frühen Nachmittagslicht gemacht. Es wirkt langweilig und platt. Im goldenen Abendlicht leuchten die Dächer rötlich und die ganze Szenerie würde viel wärmer und einladender wirken.

3. Belichtung verstehen

Jetzt kommen wir auch schon zum zweiten, wichtigen Faktor eines guten Fotos, der Belichtung. Wenn du die Grundprinzipien einmal verstanden hast, ist es wirklich nicht mehr schwer, die Einstellungen für die Belichtung manuell vorzunehmen. 

Wir beginnen mit den drei Begriffen, die das sogenannte Belichtungsdreieck definieren:

  • Blende,

  • Verschlusszeit und

  • ISO.

Alle drei hängen zusammen. Drehst du an einer Einstellung, musst du eine andere ebenfalls ändern. 

3.1 Die Blende

Sie gibt an WIE VIEL Licht über das Objektiv auf den Kamerasensor trifft. Die Blende wird als Zahl angegeben, vor der du meistens ein f/ findest. Und das hier ist die Blendenreihe:

Rechts siehst du die Blende von f/1.4. Du siehst in der Grafik, dass die Öffnung von 1.4 sehr groß ist, das bedeutet, es fließt viel Licht durch. Dein Bild wird heller. Je weiter du nach links wanderst, desto kleiner wird die Öffnung und damit strömt weniger Licht durch.

fotografieren lernen Blendenreihe

Große Blende = kleine Zahl = große Öffnung = viel Licht

Kleine Blende = große Zahl = kleine Öffnung = wenig Licht

Wie wirkt die Blende?

Du setzt die Blende als Gestaltungsmittel ein und zwar immer dann, wenn du bei einem Motiv eine gewisse Schärfentiefe erreichen möchtest.

Was ist mit Schärfentiefe gemeint? Der Punkt, auf den du fokussierst, ist auf einem Foto der schärfste Punkt. Alles, was davor und dahinter ist, bezeichnet man als Schärfentiefe. In dem Zusammenhang hörst du auch immer wieder das Wort Tiefenschärfe, was das gleiche bedeutet.

Öffnest du die Blende weit (= kleine Blendenzahl), ist die Schärfentiefe gering und der Vorder- und Hintergrund verschwimmen. Ein klassisches Anwendungsbeispiel ist ein Portrait. Mit einer großen Blende und dem Fokus auf dem Menschen (oder in meinem Beispiel dem Tier), hebst du ihn vom Hintergrund ab und machst ihn zum Hauptmotiv.

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f/5.6 | 1/320s | ISO 100 | 155 mm

Eine geschlossene Blende (große Zahl) bewirkt, dass du eine große Tiefenschärfe erreichst und damit alles im Bild scharf ist. Bei Landschaften setzt du eine kleine Blende (große Zahl) ein, um möglichst viel Tiefenschärfe zu erzielen.

die schönsten Fotos
f/9 | 1/125 s | ISO 200 | 35 mm

Große Blende = kleine Zahl = große Öffnung = viel Licht = Hintergrund verschwimmt

Kleine Blende = große Zahl = kleine Öffnung = wenig Licht = alles wird scharf

Stelle das Motivrad deiner Kamera auf A oder Av (A kommt von Aperture und heißt übersetzt Blende). Dieser Modus ist ein Halbautomatikmodus und wird Blendenvorwahl oder auch Zeitautomatik genannt. Damit kannst du die Blende einstellen, die du für dein Motiv brauchst und die Kamera wählt dazu automatisch die Belichtungszeit.

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3.2 Die Verschlusszeit

Sie gibt an WIE LANGE Licht über das Objektiv auf den Kamerasensor trifft. Die Verschlusszeit (oder auch Belichtungszeit genannt) wird in Bruchteilen von Sekunden bzw. Sekunden angegeben. Je länger der Verschluss geöffnet ist, desto länger strömt Licht durch und dein Bild wird dadurch heller. 

fotografieren lernen - Verschlusszeit

Lange Verschlusszeit (z.B. 1/2 s) = viel Licht

Kurze Verschlusszeit (z.B. 1/500 s) = wenig Licht

Wie wirkt die Verschlusszeit?

Auch die Verschlusszeit ist ein Gestaltungsmittel, das du bei beweglichen Motiven einsetzt, um sie entweder in ihrer Bewegung einzufrieren oder verschwimmen zu lassen. Mit der Verschlusszeit entscheidest du über Dynamik oder Statik in deinem Foto. 

Mit einer kurzen Belichtungszeit frierst du eine Bewegung ein. Die Wahl der Zeit kommt auch auf die Geschwindigkeit des Objektes an. Bei einem Vogel braucht es schon 1/1000s oder sogar noch kürzer, so wie in diesem Bild 1/2000s. 

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f/6.3 | 1/2000 s | ISO 500 | 200 mm

Wählst du eine längere Belichtungszeit, lässt du Bewegungen verwischen und erzeugst dadurch Dynamik. Das kannst du mit Menschen in der Stadt, Wasser oder Fahrzeugen versuchen. 

Shibuya Crossing Tokyo by night
f/7.1 | 0,3 s | ISO 320 | 33mm

Ein Wasserfall  mit kurzer Belichtungszeit und mit längerer, um einen Fließeffekt zu erzielen. Untertags braucht man für längere Verschlusszeiten meist einen ND Filter (Graufilter).

kurze Verschlusszeit
f/6.3 | 1/160 s | ISO 400 | 90 mm
lange Verschlusszeit
f/6.3 | 2,5 s | ISO 100 | 19 mm

Lange Verschlusszeit (z.B. 1/2 s) = viel Licht = Bewegung verwischt = Dynamik

Kurze Verschlusszeit (z.B. 1/500 s) = wenig Licht = Bewegung wird eingefroren = Statik

Beachte noch folgende Belichtungszeit Faustregeln beim Fotografieren aus der freien Hand:

  1. Verschlusszeit ist nicht länger als der Kehrwert der Brennweite in Millimeter. Fotografierst du mit einer Brennweite von 200mm, sollte die Belichtungszeit mindestens 1/200s sein. Vor allem Anfängern empfehle ich trotz Bildstabilisator, sich an diese Regel zu halten.

  2. Die Verschlusszeit sollte mindestens 1/50 oder 1/60 sein. Bei einer langsameren Belichtungszeit riskierst du Unschärfe. 

Stelle das Motivrad deiner Kamera auf S oder Tv (S kommt von shutter speed, Tv von time value). Dieser Modus wird Zeitvorwahl oder Blendenautomatik genannt. Dabei bestimmst du die Belichtungszeit, die du dir für dein Motiv vorstellst und die Kamera wählt automatisch die Blende dazu.

3.3 ISO

Der ISO-Wert gibt an, wie lichtempfindlich der Kamerasensor reagiert. Er wird als Zahl zwischen 50 und 64.000 (je nach Kameramodell) angegeben. Je heller dein Umgebungslicht, desto niedriger soll dein ISO Wert sein. Hast du wenig Licht zur Verfügung, musst du den Wert erhöhen. 

Eine Erhöhung resultiert im sogenannten Bildrauschen. Es ist das Resultat eines Fehlers in der Signalverarbeitung, der mit zunehmender ISO auftritt. Dein Bild wird durch eine höhere ISO kontrastärmer und unscharf. 

Es gilt, den ISO Wert so niedrig wie möglich zu halten, um ein Bildrauschen zu vermeiden bzw. zu minimieren.

ISO 4000 und Bildrauschen

Kleiner Wert = niedrige ISO = du hast viel Umgebungslicht = weniger Bildrauschen

Großer Wert = hohe ISO = du hast wenig Licht zur Verfügung = mehr Bildrauschen

3.4 Der Zusammenhang Blende, Belichtungszeit und ISO

Jetzt kennst du die drei Begriffe des Belichtungsdreiecks und weißt, was sie bewirken. Der erste Grundstein zum Weg aus dem Automatikmodus ist damit gelegt. Blende, Verschlusszeit und ISO stehen in unmittelbaren Zusammenhang, denn eine korrekte Belichtung ist eine Kombination aus den drei Werten. Änderst du einen der drei Werte, musst du auch einen anderen entsprechend ändern, denn der Sensor benötigt die richtige Menge Licht, um das Foto korrekt zu belichten

  • Öffnest du die Blende um eine Stufe (= wählst du eine kleinere Zahl), fällt doppelt so viel Licht auf den Sensor. Dadurch kannst du eine kürzere Belichtungszeit wählen.

  • Verlängerst du die Verschlusszeit um eine Stufe, fällt doppelt so viel Licht auf den Sensor. Dadurch kannst du die Blende schließen (eine größere Zahl wählen). 

  • Erhöhst du die ISO, benötigt der Bildsensor nur noch halb so viel Licht. 

3.5 Der manuelle Modus

Stelle dein Motivwahlrad auf M für Manuelle Belichtung und probiere es gleich einmal aus. Im manuellen Modus wählst du Blende und Verschlusszeit.

Such dir ein Motiv und bestimme, welchen Effekt du erzielen möchtest. Nehmen wir an, du möchtest einen Blumenstrauß auf dem Tisch fotografieren und den Hintergrund des Zimmers unscharf haben. Du wählst also eine große Blende (=kleine Zahl). Fokussiere auf den Blumenstrauß und drücke den Auslöser halb durch. Dadurch löst du den internen Belichtungsmesser der Kamera aus. Beobachte jetzt die Skala auf dem Display oder im Sucher, die von -3 bis +3 reicht. Drehe jetzt so lange am Einstellrad für Blende und Zeit, bis der Strich der Skala auf 0 ist. Dann löse aus und überprüfe, ob das Foto gut belichtet ist.

Die Skala ist dein Anhaltspunkt für eine korrekte Belichtung beim Fotografieren im manuellen Modus. Du musst bei bestimmten Motiven nach links oder rechts korrigieren.

Tipp: Gehe den Extraweg und fotografiere zu Beginn einmal nur im manuellen Modus. Dadurch wirst du nicht nur schneller, sondern verstehst den Zusammenhang aus den drei Einstellungen viel besser.

In manchen Situationen empfiehlt sich die Halbautomatik. Wenn du zum Beispiel extrem schnelle Objekte fotografierst (Tiere), schalte in die Zeitvorwahl und wähle eine entsprechende Belichtungszeit. Wenn du Streetphotography machst und zufällige Momente einfangen möchtest, empfehle ich ebenfalls die Halbautomatik, in dem Fall die Blendenvorwahl.

Beachte allerdings, dass deine Kamera nicht weiß, ob du beispielsweise mit Stativ fotografierst. Wählst du zum Beispiel die Blendenvorwahl und stellst eine bestimmte Blende ein, wählt die Kamera automatisch die Belichtungszeit dazu. Möglicherweise ist die Belichtungszeit zu lang, um noch unverwackelte Fotos zu machen. Die Kamera nimmt darauf keine Rücksicht.

"There are no rules for good photographs, there are only good photographs"
Ansel Adams

4. Noch ein paar wichtige Einstellungen

Du weißt jetzt, wie du Blende, Verschlusszeit und ISO einstellst und warum. Es gibt aber noch ein paar weitere Einstellungen, die wichtig sind:

4.1 Belichtungsmessung:

Die Kamera verfügt über einen internen Belichtungsmesser, der dann in Kraft tritt, wenn du den Auslöser halb durch drückst. Wir unterscheiden zwischen 4 Messmethoden:

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Mehrfeld- oder Matrixmessung (oder auch ESP oder Multisegmentmessung)
Bei der Mehrfeldmessung wird die Helligkeit an vielen Stellen über das ganze Bild hinweg gemessen. Sie ist die gängigste Messmethode und passt für den Großteil der Motive. Wenn du gerade erst fotografieren lernst, empfehle ich dir, diese Messung einzustellen und sie erst einmal zu belassen. 

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Spotmessung
Bei der Spotmessung misst die Kamera nur einen kleinen Bereich in der Mitte des Bildes, der etwa 1-5% beträgt. Sie eignet sich besonders bei extremen Kontrasten und wenn ein bestimmter Teil des Bildes wichtig ist. Als bestes Anwendungsbeispiel kannst du dir eine Bühne mit Künstlern vor schwarzem Hintergrund vorstellen. Wenn du hier den Starviolinisten fotografieren möchtest, ist die Spotmessung die beste Wahl.

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Selektivmessung
Die Selektivmessung ist wie die Spotmessung, allerdings beträgt der Messbereich ca. 10%. Du kannst diese Messung bei extremen Gegenlichtsituationen oder starken Reflexionen im Hintergrund anwenden oder auch bei Portraits. 

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Mittenbetonte Messung
Bei der mittenbetonten Messung wird das gesamte Bild mit starker Gewichtung zur Bildmitte hin zur Messung zu Grunde gelegt. Wenn du beispielsweise ein Bild mit starken Kontrasten und ein helles Hauptmotiv in der Bildmitte hast, wird dieses bei Anwendung der mittenbetonten Messung nicht so leicht überbelichtet. Diese Messmethode erfordert sehr viel Erfahrung.

Die für dich relevanteste ist die erste, die Mehrfeldmessung, da sie für den Großteil der Motive passend ist. Wenn du schon ein wenig geübter bist, probiere einmal die Selektivmessung bei einem Portrait.

4.2 Fokus

Mithilfe des Fokus bestimmst du, welcher Teil des Bildes scharf sein soll. Jede Kamera hat einen Autofokus (AF), bei dem sie die Fokussierung für dich übernimmt. Dabei gibt es wiederum verschiedene Betriebsarten, je nachdem, ob du unbewegliche, bewegliche oder sich ändernde Motive fotografierst. Die Betriebsarten haben je nach Kamerahersteller unterschiedliche Bezeichnungen.

Einzelautofokus (One Shot, AF-S, S-AF): Für unbewegliche Objekte oder welche, die sich kaum bewegen

Kontinuierlicher Autofokus (AI Servo, AF-C, C-AF): Für bewegliche Objekte

Automatik (AI Focus, AF-A, AF-F): Dabei wählt die Kamera zwischen den beiden anderen Betriebsarten. Dieser Modus wird verwendet, wenn du einen Vogel im Wasser fotografierst und darauf wartest, dass sich der Vogel schüttelt. 

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Tipp #1: Ich empfehle dir, das Autofokus Messfeld (das sind die Rechtecke und Punkte, wenn du durch den Sucher schaust) manuell zu wählen. Damit bestimmst du, welcher Teil des Motivs am Schärfsten sein soll. 

Tipp #2: Änderst du den Fokus auf kontinuierlich (AI Servo, AF-C, C-AF), vergiss nicht, ihn auch wieder zurückzustellen. Wenn du dich wunderst, warum dein Autofokus nicht „piepst“, könnte das die Ursache sein.

Beim manuellen Fokus (MF) übernimmst du diese Aufgabe durch Drehen des Entfernungsrings des Objektivs. Schaue durch den Sucher, drehe am Fokusring und beobachte, wie sich die Schärfe ändert. 

4.3 Bildformat

Wir unterscheiden grundsätzlich einmal zwischen zwei Kamera-Bildformaten, nämlich dem RAW und dem JPG (JPEG). Die RAW Datei ist das Rohdatenformat, das alle Daten aus der Kamera als Rohdaten belässt. Es hat viel feinere Helligkeitsabstufungen und zeigt mehr Details als das JPG. Der Nachteil ist allerdings, dass es sehr viel Speicherplatz benötigt. Außerdem können nicht alle Programme die Rohdaten lesen, meistens benötigst du einen Converter bzw. ein entsprechendes Bildbearbeitungsprogramm. JPG Dateien benötigen weitaus weniger Speicherplatz, allerdings sind die Möglichkeiten der Nachbearbeitung stark eingeschränkt.

Tipp: Wenn du vor hast, die Bilder nachzubearbeiten und noch mehr aus ihnen herauszuholen, fotografiere im RAW Format.

4.4 Weißabgleich

Mit dem Weißabgleich (im Englischen White Balance) kannst du die Farbtemperatur des Lichts auf deinen Bildern verändern. Die Farbtemperatur wird in Kelvin (K) angegeben. Je nachdem, welche Lichtquelle du gerade hast, verändert sich die Kelvin Zahl. Wenn du in RAW fotografierst, musst du dir über diese Einstellung gar keine Gedanken machen und kannst sie beruhigt auf AWB (automatischer Weißabgleich) belassen. Selbst wenn die Temperatur deines Fotos so gar nicht passen sollte, kannst du das im Bildbearbeitungsprogramme mit einem Klick ändern.

Wenn du in JPG fotografierst und du merkst, dass dein Bild einen komischen Farbstich hat, probiere die verschiedenen Optionen durch.

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Automatischer Weißabgleich. Funktioniert in den meisten Fällen sehr gut 

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Weißabgleich für Tageslicht. Ca. 5.200 Kelvin Farbtemperatur

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Weißabgleich für bewölkte Tage. Farbtemperatur ca. 6.000 Kelvin 

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Weißabgleich für Motive im Schatten. Farbtemperatur ca. 7.000 Kelvin

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Symbol für Kunstlicht. Farbtemperatur ca. 3.200 Kelvin

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Verwendung bei Licht durch Leuchtstoffröhren. Farbtemperatur ca. 4.000 Kelvin

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Verwendung von Blitz. Die Temperatur wird automatisch eingestellt

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Manuelle Einstellung der Farbtemperatur (z.B. mit einer Graukarte).

Tipp: Wenn du den automatischen Weißabgleich verstellst und eine andere Auswahl triffst, denke daran, ihn auch wieder zurückzustellen. 

5. Typische Fotofallen

Gerade als Fotografie Anfänger sind einem oft die Fehler, die man macht, nicht klar. Warum will das Foto einfach nicht scharf werden? Warum blinkt da was oder warum findet der Autofokus keinen Punkt? Hier sind die FAQs und Fotografie Tipps für Anfänger:

Meine Fotos werden einfach nicht scharf. Woran kann das liegen? Das können die Gründe sein:

  • Prüfe die Belichtungszeit. Ich empfehle meinen Fotokurs Schülern beim Fotografieren mit Freihand 1/50 bzw. 1/60 – egal ob mit oder ohne Bildstabilisator. Wenn du mit einer größeren Brennweite fotografierst, beachte die Faustregel des Kehrwerts. Bei einer Brennweite von 200mm soll die Belichtungszeit 1/200 s betragen. Schalte den Bildstabilisator am Objektiv ein.

  • Dein Motiv bewegt sich. Beachte auch hier die Belichtungszeit. Willst du sie komplett einfrieren, brauchst du eine kurze Verschlusszeit.

  • Minimiere deine Bewegungen. Halte die Luft an oder stütze dich irgendwo ab, um beim Auslösen nicht zu verreißen.

  • Möglicherweise hast du versehentlich den manuellen Fokus aktiviert?

  • Oder du hast den Autofokus eingeschalten, allerdings bist du zu schnell beim Abdrücken und fokussierst vorher nicht genau.

  • Hast du den richtigen Fokuspunkt gewählt?

  • Prüfe die Autofokus-Betriebsart. Möglicherweise hast du den kontinuierlichen Fokus eingestellt.

  • Fotografierst du mit Stativ? Verwende einen Fernauslöser oder zumindest den 2-Sekunden-Selbstauslöser, um Verwackelungen beim Auslösen zu verhindern. Wenn du lange belichtest und dein Stativ nicht ganz stabil ist, kann dies auch zu unscharfen Bildern führen, vor allem wenn auch noch der Wind geht.

Der Autofokus findet keinen Fokuspunkt. Warum?

Wenn du fokussierst und der Autofokus brummt und sucht und stellt einfach nicht scharf dann bist du vielleicht zu nahe am Motiv dran. Vermindere den Abstand und versuche es wieder. Der Autofokus ist leicht zu verwirren, wenn viele Dinge in einem Bild vorhanden sind. Da musst du genau und mit ruhiger Hand fokussieren. 

Das Foto hat einen komischen Farbstich. Woran liegt das? Ich habe ganz sicher nichts verstellt...

Sicher nicht? Denke an den Weißabgleich aus Punkt 4.4, der die Farbtemperatur des Bildes regelt. Wenn dein Foto einen Blau- oder Gelbstich hast, ändere diese Einstellung. In der Regel bist du mit dem automatischen Weißabgleich (AWB) ganz gut beraten.

Durch den Sucher sehe ich nichts. Brauch ich etwa eine Brille?

Vielleicht. Vielleicht liegt es aber nur am Dioptrien-Einstellrad, das du direkt neben dem Sucher findest. Drehe daran und stelle es so ein, dass du wieder scharf siehst. Problem gelöst oder ab zum Augenarzt?

6. 10 Tipps für eine perfekte Bildkomposition

Ein weiterer Fehler, den Fotografie Anfänger gerne machen, ist, einfach drauflos zu fotografieren, ohne an den Bildaufbau zu denken. Ich weiß schon, zu Beginn ist man froh, wenn man die Kameraeinstellungen in den Griff bekommt. Dennoch empfehle ich, auch gleich die Bildkomposition zu lernen. Um dich hier zu unterstützen, findest du gleich ein paar wichtige Tipps und Regeln, die dir bei der Bildkomposition helfen:

"Your first 10.000 photographs are the worst"
Henri Cartier-Bresson

6.1 Die Drittelregel

Diese Regel sorgt für Ausgeglichenheit und Harmonie in deinem Foto. Teile dein Bild in 9 gleiche Rechtecke, indem du zwei horizontale und zwei vertikale Linien ziehst. Platziere dein Motiv auf eines der Linien oder einen Schnittpunkt. Denke auch an den Horizont, den du auf einer Linie platzierst.

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6.2 Der Horizont

Bleiben wir gleich beim Horizont, den du auf einer der Drittelachsen platzierst. Richte ihn gerade aus. Ich sehe sehr oft Bilder von schönen Stränden und Landschaften, auf denen das Meer kippt.

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6.3 Führungslinien

Suche nach einer Linie in deinem Motiv, die deinen Betrachter ins Bild führt, um eine Spannung aufzubauen. Solche Führungslinien können Pfade, Straßen, Flüsse, Treppen sein. Sie verleihen dem Bild Tiefe und Dynamik.

die schönsten Fotos

6.4 Vordergrund

Eine weite, tiefe Landschaft wirkt oft flach. Daher suchen wir Fotografen uns einen Vordergrund, um dem Foto Tiefe zu verleihen und ein Gefühl für Distanzen zu schaffen. Parkbänke, Felsen oder Personen beispielsweise eignen sich sehr gut als Vordergrund einer weiten Landschaft.

Bildkomposition

6.5 Symmetrie

Symmetrie erzeugt Ruhe und Ausgeglichenheit. Das menschliche Auge findet Symmetrien äußerst ansprechend und entspannend. Suche ganz gezielt nach Symmetrien und lockere sie auf, indem du einen Störpunkt findest.

6.6 Spiegelungen

Spiegelungen sind sehr reizvolle Motive. In der Landschaftsfotografie wirken Spiegelungen ziemlich mächtig. Aber auch in der Stadt findest du sie – suche nach Pfützen und beobachte, was sich darin spiegelt. 

Bildkomposition

6.7 Schatten und Kontraste

Gebäude mit Arkaden, Bögen und Säulen sind beliebte Motive, um Schatten und Kontraste einzufangen. Finde ein Gebäude in deiner Nähe und konzentriere dich genau auf dieses Thema. Innenhöfe sind auch immer ein heißer Tipp…

6.8 Dynamik

Bewegliche Motive erzeugen durch längere Belichtungszeiten eine Dynamik in Bildern. Das können Menschen am Zebrastreifen sein, die Straßenbahn, die vor dem historischen Gebäude fährt oder gelbe Taxis. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. 

Fotoworkshop Budapest

6.9 Abstrakt

Abstrakte Fotos machen uns in der Regel neugierig. Wir können auf den ersten Blick nicht sehen, was das Bild darstellt, uns kommt der Gegenstand aber irgendwie bekannt vor. Wenn du ganz gezielt Ausschau hältst, findest du unzählige Möglichkeiten für abstrakte Bilder. Vergiss den Blick nach oben nicht. Dieses Bild zeigt eine Decke in einer Shopping Mall. Hättest du es erkannt?

Abstract

6.10 Silhouetten

Bei Silhouetten ist das Hauptmotiv nicht belichtet, sondern wird in eine grafische Form gewandelt. Probiere es beim nächsten Sonnenuntergang aus. Wähle ein Objekt, das leicht identifizierbar ist, zum Beispiel ein Leuchtturm oder ein Mensch. Der Mensch darf dabei gerne überzogene Posen machen. 

Bildkomposition
"Which of my photographs is my favorite? The one I am going to take tomorrow"
Imogen Cunningham

7. Wie du fotografieren lernst

Du hast jetzt einen Überblick über die wichtigsten Einstellungen und Regeln zur Bildkomposition. Jetzt liegt es an dir, fotografieren zu lernen. Aber keine Sorge, du wirst nicht alleine gelassen, wenn du das nicht möchtest. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wie du das Fotografieren lernst.

Möglichkeit 1: Ein Selbststudium
Es gibt sie. Die Menschen, die sich zuhause hinsetzen und Online Tutorials durchmachen und Bücher lesen und sich dadurch alles selber beibringen. Meine Hochachtung an die, die das tun, denn dazu gehört nicht nur Disziplin, sondern auch Geduld. Ich darf hier an dieser Stelle noch einmal auf mein eBook „Ein Quantum Foto Know-How“ hinweisen. Es ist einfach und verständlich geschrieben und richtet sich an die Menschen, die das Fotografieren in Eigenregie lernen möchten und an die, die nach einem Fotokurs noch etwas Unterstützung benötigen.

 

Möglichkeit 2: Ein Fotokurs für Anfänger
Wenn du dich lieber an der Hand führen lässt, dann empfehle ich dir, einen Fotokurs für Anfänger zu machen. Im Fotokurs werden dir die Kameraeinstellungen erklärt und gezeigt, wie Blende, Verschlusszeit und ISO zusammenhängen. Der Vorteil eines Fotokurses ist die persönliche Betreuung und du kannst all deine Fragen stellen, die du hast.

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Fotokurs für Anfänger

Die Knöpfe auf deiner Kamera sind mehr oder weniger ein spanisches Dorf für dich? Du fotografierst im Automatikmodus und die Fotos werden einfach nie so, wie du sie haben möchtest? Du möchtest lernen, Motive zu erkennen, um schöne Fotos zu schießen? Und das alles möchtest du so einfach wie möglich lernen, ohne mit Technik überhäuft zu werden? Dann ist ein Fotokurs für Anfänger die richtige Wahl für dich. Klick auf das Bild für mehr Infos.

Für welche Möglichkeit du auch immer dich entscheidest, das Entscheidende ist, dass du nachher dranbleibst und fotografierst. Je mehr du übst, desto besser wirst du. Je mehr du fotografierst, desto schneller wirst du, die Einstellungen der Kamera zu verändern. Suche dir Inspiration von Fotografen, plane Fotoprojekte und zeige deine Fotos in Gruppen her.

Ich lade dich herzlich in meine Facebook Gruppe ein, in der du deine Fotos posten und um Feedback fragen kannst. In dieser Gruppe werden keine Fotos „zerrissen“ – versprochen!

Fotoreise

Ist eine Fotoreise etwas für dich?

Wenn du gerne reist und deine fotografischen Fähigkeiten in einer Gruppe Gleichgesinnter verbessern möchtest, lade ich dich ein, mich auf eine Fotoreise zu begleiten. Bei einer Fotoreise geht es darum, in Ruhe fotografieren zu können, die schönsten Fotospots zu den besten Zeiten zu besuchen, sich weiterzuentwickeln und Spaß zu haben. 

„Da fahren ja eh nur die mit, die schon so gut fotografieren. Da pass ich nicht dazu“. Das höre ich leider immer wieder von Fotografie Einsteigern und jedes Mal tut es mir leid, das zu hören. Ich biete ein paar Fotoreisen an und lade ganz besonders Anfänger ein, mich zu begleiten. In den kleinen Gruppen habe ich die Möglichkeit, mich um jeden individuell zu kümmern und auf die Schwächen eines jeden einzelnen Teilnehmers einzugehen. Bitte streich also den oben erwähnten Satz und gib einer Fotoreise eine Chance, dich zu begeistern.

Fotoreise Toskana

Fotoreisen - gerne mit Anfängern

Toskana, Budapest, Venedig, Ecuador mit den Galapagos Inseln, die Azoren, Myanmar, Südtirol...das sind ein paar meiner Fotoreise-Destinationen. Klick auf das Bild und erfahre die Details.

Ich hoffe, dass dir der Artikel hilft, deine Fotos zu verbessern und dich dazu ermutigt, den Automatikmodus zu verlassen. Als Fotografin und Fotokurs-Leiterin möchte ich dir noch mitgeben, dass am Ende DU entscheidest, ob dir dein Bild gefällt oder nicht. Ich hoffe, wir sehen uns spätestens in meiner Facebook Gruppe wieder. Oder in einem meiner Kurse, Workshops oder Fotoreisen.

fotografieren lernen tipps
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