ISO in der Fotografie einfach erklärt

Vergleich eines Eisvogels bei ISO 1250 und ISO 16000. Links wirkt das Bild sauberer und detailreicher, rechts ist deutlich mehr Bildrauschen sichtbar.

Die ISO in der Fotografie ist Fluch und Segen gleichzeitig. Und wenn ich genau überlege, ist das wohl der unbeliebteste Wert des Belichtungsdreiecks. Der Grund ist einfach, denn er hat einen schlechten Ruf: Hohe ISO und das Bild wird Matsch. Das war einmal…

Als ich 2012 mit dem Fotografieren begonnen habe, wurde gefühlt noch mit dem Megaphon durch die Fotowelt gebrüllt: ISO NIEDRIG HALTEN! Sonst bricht fotografisch die Apokalypse aus. Und tatsächlich: Mit meiner Canon 650D sahen die Fotos bei ISO 6400 aus wie Schneesturm auf einem Röhrenfernseher. Meine Konsequenz daraus war, die ISO immer schön niedrig zu halten. Mit dem Ergebnis, dass manche Bilder verwackelt waren. 

Heute sieht die ISO-Welt schon anders aus. Viel optimistischer und deutlich weniger nach Weltuntergang mit Pixelkonfetti.

Moderne Kameras stecken höhere ISO-Werte viel besser weg. Und auch die Bildbearbeitung hat inzwischen Werkzeuge, bei denen meine Canon 650D wahrscheinlich ehrfürchtig den Objektivdeckel ziehen würde.

Deshalb räumen wir jetzt einmal mit diesem ISO-Mythos auf.

Du erfährst, was ISO wirklich macht, warum hohe ISO nicht automatisch böse ist und wann du sie lieber mutig hochdrehst, statt später ein wunderbar rauschfreies, aber verwackeltes Foto zu bewundern.

Kleiner Spoiler: Rauschen ist oft nicht dein größtes Problem. Verwacklung schon eher.

Vergleich eines Eisvogels bei ISO 1250 und ISO 16000. Links wirkt das Bild sauberer und detailreicher, rechts ist deutlich mehr Bildrauschen sichtbar.

Was ist ISO in der Fotografie? (Und warum du sie verstehen solltest)

Wenn man ISO klassisch erklärt, klingt es meistens so:
Der ISO-Wert beschreibt, wie empfindlich der Sensor deiner Kamera auf Licht reagiert.

Stimmt schon.
Hilft aber ungefähr so sehr wie eine Kamerabedienungsanleitung auf Seite 87.

Deshalb erkläre ich es lieber so: ISO ist der Lichtschalter deiner Kamera.

Wenn zu wenig Licht da ist, kannst du mit der ISO das Bild heller machen. Die Kamera verstärkt dafür das vorhandene Bildsignal. Je stärker sie verstärkt, desto eher werden auch kleine Störungen sichtbar. Genau daraus entsteht das Rauschen.

Bei niedriger ISO, zum Beispiel ISO 100 oder 200, braucht deine Kamera viel Licht. Das ist ideal bei Sonnenschein oder sehr hellen Situationen.

Bei höherer ISO, zum Beispiel ISO 1600 oder 3200, kommt deine Kamera besser mit wenig Licht zurecht. Das ist praktisch in Innenräumen, am Abend oder überall dort, wo du keine längere Verschlusszeit riskieren willst.

Kurz gesagt:
Viel Licht = niedrige ISO
Wenig Licht = ISO hochdrehen



Der Name ISO kommt übrigens aus der guten alten Filmzeit. Früher hast du Filmrollen gekauft, auf denen stand ISO 100, ISO 400 oder ISO 800. Je höher die Zahl, desto lichtempfindlicher der Film. Heute, in der digitalen Welt, steckt kein Film mehr in der Kamera, aber das Prinzip ist geblieben. Nur dass du den Wert jetzt bei jedem Bild neu einstellen kannst.

ISO ist einer der drei Regler im sogenannten Belichtungsdreieck, zusammen mit der Blende und der Verschlusszeit. Alle drei bestimmen gemeinsam, wie hell oder dunkel dein Bild am Ende wird. Und alle drei greifen ineinander. Wenn du an einem drehst, verändert sich das Gleichgewicht. Mehr dazu weiter unten.

Der ISO-Wert an der Kamera: Von ISO 100 bis ISO 51.200 (und drüber)

Je nach Kamera kannst du ISO-Werte von 100 bis 25.600, 51.200 oder sogar noch höher einstellen. Profi-Kameras gehen teilweise bis ISO 102.400 oder 204.800.

Das klingt erst einmal beeindruckend, heißt aber nicht, dass du diese extrem hohen Werte ständig brauchst. Für den Alltag als Hobbyfotografin spielen meist eher ISO 100 bis 6400 eine Rolle. Manchmal auch ISO 12.800, wenn das Licht wirklich knapp wird.

Wichtig ist vor allem:
Jede Verdopplung des ISO-Werts entspricht einer Stufe.

Von ISO 100 auf ISO 200 wird das Bild bei gleicher Blende und gleicher Belichtungszeit doppelt so hell.
Von ISO 200 auf ISO 400 noch einmal doppelt so hell.

So wird aus ISO nicht einfach eine technische Zahlenreihe, sondern ein Regler, mit dem du ganz konkret auf Licht reagieren kannst.

ISO Reihe Fotografie

Damit diese ISO-Werte greifbarer werden, findest du hier eine grobe Orientierung für typische Situationen:

ISO-Wert Wirkung Typische Situation Bildqualität
ISO 100 Sehr niedrig Sonne, sehr helle Umgebung Beste Qualität, kaum sichtbares Rauschen
ISO 200 Niedrig Heller Tag, leichte Bewölkung Sehr sauber
ISO 400 Eher niedrig Bewölkter Tag, Schatten Sauber
ISO 800 Mittlerer Bereich Innenraum am Tag, spätere Nachmittagsstunden Meist noch sehr sauber
ISO 1600 Schon deutlich erhöht Dunklere Innenräume am Tag, draußen bei wenig Licht Leichtes Rauschen möglich
ISO 3200 Hoch Innenräume am Abend, Dämmerung, Bewegung bei wenig Licht Sichtbares Rauschen
ISO 6400 Sehr hoch Sehr dunkle Räume, Nacht, Situationen ohne Blitz Deutliches Rauschen
ISO 12.800 Extrem hoch Nur wenn du das Foto sonst nicht machen könntest Starke Qualitätseinbußen
ISO 25.600+ Absoluter Notfallbereich Dokumentation statt Bildqualität Sehr starkes Rauschen

Wie stark das Rauschen bei welcher Stufe auftritt, hängt stark von deiner Kamera ab. Eine neue Vollformatkamera rauscht bei ISO 6400 deutlich weniger als eine APS-C-Kamera aus 2012. 

Was bedeuten Hi und Lo ISO an der Kamera?

Vielleicht hast du an deiner Kamera neben den normalen ISO-Zahlen schon einmal Werte wie Lo 0.3, Lo 1, Hi 1 oder Hi 2 gesehen. Das sind erweiterte ISO-Stufen außerhalb des normalen ISO-Bereichs deiner Kamera.

Lo-Werte liegen unterhalb der niedrigsten regulären ISO-Stufe. Wenn deine Kamera zum Beispiel bei ISO 100 beginnt, kann Lo 1 etwa ISO 50 entsprechen. Solche Lo-Werte sind meist erweiterte Einstellungen und keine echte zusätzliche Basis-ISO-Stufe. Sie können praktisch sein, wenn du bei sehr hellem Licht mit offener Blende fotografieren willst. Je nach Kamera kann dabei aber etwas Zeichnung in sehr hellen Bildbereichen verloren gehen.

Hi-Werte liegen oberhalb des nativen Bereichs. Sie werden künstlich erweitert und führen oft zu stärkerem Rauschen und weniger Detail. Deshalb sind sie eher eine Lösung für Ausnahmefälle, wenn du das Foto sonst gar nicht machen könntest.

Meine Empfehlung für den Anfang: Bleib möglichst im nativen ISO-Bereich deiner Kamera. Dort liefert sie in der Regel die saubersten Ergebnisse.

ISO und Bildrauschen

Du hast jetzt schon mehrmals den Begriff Bildrauschen gelesen. Das hat nichts mit Meeresrauschen zu tun, auch wenn das eindeutig die sympathischere Variante wäre.

Was heißt Bildrauschen?
Bildrauschen bedeutet, dass dein Foto körnig oder unruhig wirkt. Vor allem in dunklen Bereichen sieht man dann kleine Flecken, Punkte oder eine raue Struktur, die eigentlich nicht zum Motiv gehört.

Je mehr deine Kamera bei wenig Licht nachhelfen muss, desto eher entsteht Bildrauschen. Vereinfacht gesagt wird das Bildsignal dann stärker verstärkt. Dabei wird nicht nur das eigentliche Bild heller, sondern auch kleine Störungen im Signal werden sichtbarer. Genau das zeigt sich später als Krisseln, Körnung oder bunte Sprenkel im Foto.

Du kannst es dir vorstellen wie ein Bild, das nicht mehr ganz sauber aussieht. Fast so, als hätte jemand feine Krümel oder kleine bunte Sprenkel darübergestreut.

Das Rauschen kann auf zwei Arten auftreten:

Luminanzrauschen:
Eine körnige, eher graue Struktur. Sie erinnert manchmal ein bisschen an Filmkorn und ist oft weniger störend.

Farbrauschen:
Kleine bunte Sprenkel, meist in Rot, Grün oder Blau. Dieses Rauschen fällt schneller unangenehm auf und lässt ein Bild unruhig wirken.

Wie stark Rauschen sichtbar wird, hängt von mehreren Dingen ab: 

  • Von deiner Kamera: Eine neue Vollformatkamera liefert bei ISO 6400 Ergebnisse, bei denen eine ältere Einsteigerkamera schon an ihre Grenzen kommt.
  • Vom vorhandenen Licht 
  • Und auch davon, wie groß du dein Bild am Ende anschaust oder druckst. Ein Foto für Instagram verzeiht deutlich höhere ISO-Werte als ein großer Abzug für die Wand.
 

 

Hier der direkte Vergleich in der Praxis:

Eisvogel mit ISO 2500 fotografiert

ISO 2500: Das Bild wirkt insgesamt noch ruhig und brauchbar. Details im Gefieder sind gut erkennbar, die Farben wirken stimmig und das Rauschen hält sich noch in Grenzen. Für viele Situationen ist dieser Wert absolut okay.

 

Eisvogel mit ISO 6400 fotografiert

ISO 6400: Jetzt wird das Rauschen deutlich sichtbarer. Vor allem in den weicheren Hintergrundbereichen und in dunkleren Partien wirkt das Bild unruhiger. Feine Details gehen etwas verloren und die Struktur wirkt gröber. Für Web oder kleinere Ausgaben ist das noch gut nutzbar.

 

Eisvogel mit ISO 12800 fotografiert

ISO 12.800: Hier sieht man das Bildrauschen klarer. Es wirkt körniger, feine Details werden weicher und insgesamt nicht mehr so sauber. Für Dokumentation oder kleine Darstellung kann das noch in Ordnung sein, für große Prints eher nicht.

 

Zur besseren Einordnung: Alle Vergleichsbilder sind unbearbeitet und mit einer Vollformatkamera aufgenommen. Mit einer kleineren Sensorgröße kann Bildrauschen bei denselben ISO-Werten deutlicher sichtbar sein.

 

Angst vor Bildrauschen? Warum du es entspannter nehmen darfst

Es gibt diese eine Sorge, die praktisch jeder Anfänger mit schleppt. Die Sorge klingt ungefähr so: Ich darf die ISO auf keinen Fall hochdrehen, sonst ist mein Bild hinüber.

Kann ich gut nachvollziehen. Mir ging es genauso. Und früher hat man das auch so gelehrt. ABER: Ein leicht rauschendes, scharfes Bild schlägt ein sauberes, verwackeltes jeden Tag. Und zwar deutlich. Denn Rauschen kannst du in der Bildbearbeitung reduzieren. Unschärfe bekommst du nie wieder raus.

Dazu kommt: Die Kameratechnik hat sich in den letzten Jahren massiv entwickelt. Was vor zehn Jahren bei ISO 800 schon ein Drama war, ist heute bei ISO 3200 kein Problem mehr. Selbst günstige aktuelle Kameras liefern bei ISO 1600 oder 3200 Ergebnisse, die du problemlos verwenden kannst.

Und moderne Entrausch-Tools (Lightroom, DxO PureRAW, Topaz und Co.) machen aus einem ISO-6400-Bild in wenigen Sekunden etwas, das aussieht wie ISO 400. Rauschen ist also weder das Weltuntergangsszenario, das du vielleicht im Kopf hast, noch ein unwiederbringlicher Bildtod.

Wenn du tiefer ins Thema einsteigen willst: In meinem Artikel Wie du grieselige Fotos vermeidest erkläre ich dir ausführlich, woher Bildrauschen kommt und wie du es im Alltag in den Griff bekommst.

ISO im Belichtungsdreieck: Der dritte Regler

ISO ist einer der drei Werte im Belichtungsdreieck. Die anderen beiden sind Blende und Verschlusszeit.

Alle drei beeinflussen, wie hell dein Foto wird. Aber jeder Wert hat auch eine Nebenwirkung:

Die Blende beeinflusst, wie viel im Bild scharf ist.
Die Verschlusszeit beeinflusst, ob Bewegung scharf oder verwischt erscheint.
Die ISO beeinflusst, wie stark das Bildsignal aufgehellt wird und wie viel Rauschen sichtbar werden kann.

Deshalb geht es in der Praxis nicht darum, irgendeinen perfekten ISO-Wert zu finden. Es geht darum, zu entscheiden, was dein Foto gerade braucht.

 

Meine Reihenfolge bei der Einstellung (und die Reihenfolge, die ich auch meinen Kursteilnehmern empfehle):

  1. ISO zuerst je nachdem, wieviel Tageslicht ich zur Verfügung habe. Scheint die Sonne und die Kamera ist vom Vorabend noch auf ISO 6400 eingestellt, werde ich schnell draufkommen, dass das Bild viel zu hell wird.
  2. Die Blende: Was möchte ich bildlich erzählen? Soll der Hintergrund unscharf werden oder möchte ich alles scharf?
  3. Ich passe die Verschlusszeit an. 


Es gibt Ausnahmen für dieses Szenario, z.B. wenn ich Tiere in Bewegung fotografiere. Da achte ich natürlich viel mehr auf die Verschlusszeit.

Welche ISO-Einstellung bei welchem Licht? Meine Empfehlungen

Jetzt kommen wir zu der Frage, die in der Praxis wirklich zählt:
Was stelle ich denn jetzt ein, wenn ich mit der Kamera dastehe?

Hier sind meine Richtwerte, mit denen du in den meisten Situationen sehr gut fährst:

Lichtsituation Empfohlener ISO-Bereich Warum
Strahlender Sonnenschein ISO 100 Viel Licht vorhanden, du brauchst keine zusätzliche Verstärkung
Bewölkter Tag, Schatten ISO 200 – 400 Weniger Licht als bei Sonne, ein kleiner Ausgleich kann sinnvoll sein
Goldene Stunde, Dämmerung ISO 400 – 800 Das Licht wird schwächer, du brauchst mehr Unterstützung für eine sichere Belichtung
Innenräume mit Tageslicht ISO 400 – 1600 Je nach Fensterlicht und Tageszeit kann der Bedarf stark schwanken
Innenräume abends ohne Blitz ISO 1600 – 3200 Wenig Licht und oft freie Hand, deshalb ist ein höherer ISO-Wert oft nötig
Konzert, dunkle Location ISO 3200 – 6400 Wenig Licht plus Bewegung, du brauchst meist eine kurze Verschlusszeit
Nachtfotografie mit Stativ ISO 100 – 400 Das Stativ erlaubt lange Belichtungszeiten, deshalb kannst du die ISO niedrig halten
Sterne, Astrofotografie ISO 3200 – 6400 Du brauchst viel Helligkeit bei gleichzeitig kurzer Belichtungszeit

Bitte beachte: Das sind Richtwerte, keine Gesetze. Deine Kamera, dein Objektiv und das konkrete Licht entscheiden am Ende. Die beste Available-Light-Fotografie entsteht nicht, weil du den perfekten ISO-Wert gewählt hat, sondern weil du wusstest, wie das Licht gerade tickt und wie du es für dich nutzen kannst.

Und wenn du Hilfe brauchst: Schnapp dir meinen Kurs:

ISO einstellen: So machst du es an deiner Kamera

Jede Kamera hat ihren eigenen Weg, den ISO-Wert zu ändern. Bei vielen modernen Kameras gibt es eine eigene ISO-Taste. Bei anderen Modellen läuft es über das Schnellmenü, die Fn-Taste oder ein Einstellrad. Welche Variante deine Kamera nutzt, hängt vom Hersteller und vom Modell ab.

 

Die wichtigsten Wege im Überblick:

Canon:
Bei vielen Modellen gibt es eine ISO-Taste oben auf dem Gehäuse. Danach änderst du den Wert mit einem Einstellrad.

Nikon:
Bei vielen Modellen hältst du die ISO-Taste beziehungsweise die S-Taste gedrückt und drehst gleichzeitig am Einstellrad.

Sony:
Oft erreichst du ISO über die Fn-Taste, das Schnellmenü oder eine individuell belegte Taste am Gehäuse.

Fujifilm:
Bei vielen Modellen gibt es ein eigenes ISO-Wahlrad oder ein kombiniertes Zeiten- und ISO-Rad oben auf der Kamera. Bei anderen läuft die Einstellung über Menü oder Funktionstasten.

 

ISO Knopf einer Kamera

ISO-Automatik: Sinnvoll oder nicht?

Die ISO-Automatik, meistens Auto-ISO genannt, ist eine der nützlichsten Funktionen moderner Kameras.

Sie sorgt dafür, dass der ISO-Wert automatisch angepasst wird, wenn das vorhandene Licht nicht ausreicht.

Besonders sinnvoll bzw. praktisch ist sie, wenn sich Licht und Motiv ständig ändern: Beim Reisen, bei Kindern, bei Tieren, auf Veranstaltungen oder überall dort, wo du nicht in Ruhe an drei Rädern drehen willst, während der Moment schon längst weitergezogen ist.

Du kannst dich stärker auf dein Motiv konzentrieren.

Wichtig ist aber folgendes: Lass die Automatik nicht einfach völlig unkontrolliert laufen. In den Einstellungen kannst du meist zwei Dinge festlegen:

  • Maximal-ISO: Die Obergrenze, bis zu der deine Kamera die ISO automatisch anheben darf. Als grobe Orientierung kannst du bei älteren oder einfacheren Kameras mit etwa ISO 3200 starten, bei aktuellen Vollformatkameras auch höher. Ich empfehle dir, das unbedingt zu testen. 
  • Minimale Verschlusszeit: Ab wann die Kamera lieber die ISO erhöht, statt die Belichtungszeit noch länger zu machen. Als grobe Faustregel gilt: etwa 1 durch Brennweite. Bei 50 mm also ungefähr 1/60 Sekunde. Bei bewegten Motiven brauchst du oft deutlich kürzere Zeiten.

Ich persönlich empfehle die ISO-Automatik vor allem am Anfang. Gerade für Einsteiger ist es hilfreich, sich nicht sofort um alle drei Belichtungswerte gleichzeitig kümmern zu müssen. So bleibt mehr Aufmerksamkeit für das Motiv, den Fokus und das Verständnis für Blende oder Verschlusszeit.

Niedrige vs. hohe ISO: Wann nimmst du was?

Der Unterschied zwischen niedriger und hoher ISO ist einer der praktischsten Hebel in der Fotografie. Hier das Wichtigste im direkten Vergleich:

Niedrige ISO, zum Beispiel 100 bis 400:

  • Beste Bildqualität und meist kaum sichtbares Rauschen
  • Meist der größte Dynamikumfang
  • Braucht ausreichend Licht oder eine längere Belichtungszeit
  • Ideal für Landschaften, Architektur und ruhige Motive, besonders mit Stativ

Hohe ISO, zum Beispiel ab 1600:

  • Hilft dir bei wenig Licht oder wenn du eine kurze Verschlusszeit brauchst
  • Sichtbares Rauschen, je nach Kamera stärker oder schwächer
  • Weniger Reserven in Schatten und Lichtern
  • Sinnvoll für Available Light, Konzerte, Innenräume ohne Blitz oder Nachtaufnahmen ohne Stativ

 

Der wichtigste Merksatz für dich lautet:
So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig.

Die häufigsten Fehler mit der ISO und wie du sie vermeidest

Fehler 1: Die ISO nicht rechtzeitig erhöhen
Du fotografierst draußen in der Sonne, gehst dann in einen dunkleren Innenraum und wunderst dich, warum plötzlich alles verwackelt ist. Die Kamera wählt eine längere Verschlusszeit, weil die ISO zu niedrig geblieben ist.

So vermeidest du es: Prüfe die ISO immer dann, wenn sich das Licht deutlich verändert. Oder nutze die ISO-Automatik.

Fehler 2: Die ISO nicht wieder senken
Am Abend fotografierst du mit ISO 6400, am nächsten Tag ist derselbe Wert noch immer aktiv. Das Ergebnis: unnötiges Rauschen oder das Bild ist viel zu hell.


So vermeidest du es: Wirf vor jeder neuen Fotosituation einen kurzen Blick auf die ISO.

Fehler 3: Rauschen um jeden Preis vermeiden wollen
Aus Angst vor Rauschen bleibt die ISO zu niedrig und die Belichtungszeit wird zu lang. Das Bild verwackelt.

So vermeidest du es: Akzeptiere lieber etwas Rauschen als ein unscharfes Bild. Ein leicht rauschiges Foto ist oft völlig okay. Ein verwackeltes meist nicht.

Fehler 4: Nie testen, wie weit deine Kamera wirklich gehen kann
Viele verlassen sich auf allgemeine Empfehlungen, statt es einmal selbst auszuprobieren. Dabei hat jede Kamera ihren eigenen Bereich, in dem die Bildqualität noch gut nutzbar ist.

So vermeidest du es: Mach einen kleinen Test mit deiner Kamera. Fotografiere dieselbe Szene mit verschiedenen ISO-Werten und schau dir später in Ruhe an, ab wann dich das Rauschen wirklich stört.

Häufig gestellte Fragen zu ISO

ISO beschreibt in der Fotografie, wie stark das Bildsignal deiner Kamera verstärkt wird. Je höher der ISO-Wert, desto heller wirkt das Bild bei gleicher Blende und gleicher Belichtungszeit. Gleichzeitig steigt aber auch die Gefahr für Bildrauschen. Der Begriff stammt noch aus der analogen Fotografie, wo er die Lichtempfindlichkeit des Films bezeichnet hat.

Einen einzigen besten ISO-Wert gibt es nicht. Für den Anfang ist Auto-ISO aber oft sehr sinnvoll. Wenn du das Maximum zum Beispiel auf ISO 3200 begrenzt, bekommst du in vielen Alltagssituationen brauchbare Ergebnisse, ohne ständig selbst nachregeln zu müssen. Sobald du das Belichtungsdreieck besser verstehst, kannst du die ISO gezielter selbst wählen.



Bei wenig Licht brauchst du oft ISO 1600 bis 3200, manchmal auch 6400 oder gar noch höher. Der passende Wert hängt davon ab, wie viel Umgebungslicht du hast, wie offen die Blende ist und welche Verschlusszeit du noch halten kannst. Lieber etwas mehr ISO und dafür ein scharfes Bild als ein sauberes, aber verwackeltes Foto.



Bei strahlendem Sonnenschein ist ISO 100 meist die beste Wahl. Manchmal kann auch ISO 200 sinnvoll sein. In hellem Tageslicht brauchst du in der Regel keine hohen ISO-Werte.

Je nach Tageslicht im Raum brauchst du oft ISO 800 bis 3200. Bei hellen Innenräumen mit großen Fenstern reichen manchmal ISO 800 oder 1600. Bei abendlichem Kunstlicht oder dunkleren Räumen kann auch ISO 3200 oder mehr nötig sein. Ein lichtstarkes Objektiv, zum Beispiel mit f/1.8, hilft dir dabei, die ISO niedriger zu halten.

Bei aktuellen Einsteiger- und Mittelklasse-Kameras wird Rauschen oft ab ISO 1600 leicht sichtbar und ab ISO 3200 deutlicher. Bei Vollformatkameras fällt es meist später auf. Wie stark es dich stört, hängt aber auch davon ab, wie groß du das Bild anschaust oder druckst.

Ja, für viele Alltagssituationen ist Auto-ISO sehr sinnvoll. Sie nimmt dir einen Teil der Arbeit ab und hilft dir, schneller auf wechselndes Licht zu reagieren. Wichtig ist, dass du eine sinnvolle Obergrenze festlegst. Viele Kameras erhöhen die ISO lieber etwas früher, bevor die Belichtungszeit zu lang wird und Verwacklungsgefahr entsteht.

ISO 1600 ist vier Stufen höher als ISO 100. Bei gleicher Blende und gleicher Belichtungszeit wirkt das Bild damit deutlich heller. Dafür steigt aber auch das Risiko für Bildrauschen und der Dynamikumfang wird kleiner. ISO 100 liefert in der Regel die sauberste Bildqualität.

ISO verstanden? Dann schnapp dir deine Kamera

Der ISO-Wert ist der dritte Regler im Belichtungsdreieck und dein Retter, wenn Blende und Verschlusszeit nicht mehr ausreichen. Halte ihn so niedrig wie möglich, aber hab keine Angst davor, ihn bei Bedarf hochzuziehen. Ein scharfes, leicht rauschendes Bild ist immer besser als ein sauberes, verwackeltes.

Viel Spaß beim Experimentieren.

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Und falls du Fragen hast, die dieser Artikel nicht beantwortet hat, schreib mir.

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