Die blaue Stunde ist eine der beliebtesten Tageszeiten zum Fotografieren. Das Licht und die Atmosphäre sind einzigartig und du kannst umwerfende Fotos machen. Es mag sein, dass es ein wenig Übung erfordert, vor allem, wenn du noch am Anfang deiner fotografischen Abenteuer stehst. Aber mit diesen Tipps verbesserst du ganz bestimmt sofort die Qualität deiner Blauen-Stunde-Fotos.

Blue hour Golden Gate Bridge
Die Golden Gate Brücke in San Francisco: 24 mm, f/8, 30 s, ISO 160

Was ist die blaue Stunde?

Sie beschreibt die Zeit in der Früh bevor die Sonne aufgeht und am Abend, nachdem sie untergegangen ist. Durch den Winkel der Sonne bekommt der Himmel eine tiefblaue, intensive Farbe. Wenn sie nämlich zwischen 4 und 8 Grad unter dem Horizont steht, absorbiert die Ozonschicht der Erde die gelben und roten Farbteile des Sonnenlichts. Übrig bleiben die blauen Farbanteile und daher färbt sich der Himmel während dieser Phase tief blau.

Die gute Nachricht zuerst: es gibt sie zweimal am Tag, einmal in der Früh und einmal am Abend. Meiner Erfahrung nach ist die am Abend noch schöner, aber das kann ganz einfach auch damit zusammenhängen, dass ich kein Morgenmensch bin und meine Meinung dadurch beeinflusst ist 😉
Die Länge und der Zeitpunkt sind abhängig von Ort und Tag. Je näher du dich am Äquator befindest, desto kürzer ist das Zeitfenster. In St. Petersburg in Russland hingegen kann die blaue Stunde im Juni sogar bis zu fünf Stunden lang dauern. In unseren Breitengraden (Österreich, Deutschland) dauert sie je nach Jahreszeit zwischen 30 Minuten und einer Stunde.
Nach der blauen Stunde kannst du dann gleich weitermachen und fantastische Nachtaufnahmen zaubern.

Blue hour in Ostuni
Ostuni in Apulien von einer Anhöhe aus: 18 mm, f/11, 71 s, ISO 200

Wie wähle ich eine Location zum Fotografieren aus?

Es gibt Plätze, die sich perfekt zum Blaue Stunde Fotografieren eignen. Einige sind untertags nicht sonderlich spektakulär, verwandeln sich aber in eine tolle Location, sobald sich der Himmel verfärbt und die Farbtöne kühl und bläulich werden. Diese Orte funktionieren garantiert immer:

Stadtlandschaften

Das satte Blau und die Lichter einer Stadt passen wunderbar zusammen. Der leuchtende Himmel lässt die künstlichen Lichter intensiver strahlen, sodass Skyline Fotos während der blauen Stunde am schönsten werden. Noch besser werden sie, wenn du eine Anhöhe findest, von wo du fotografieren kannst.

Blue hour in Lisbon
Lissabon zur blauen Stunde von der Portas do Sal in Alfama: 16 mm, f/14, 13 s, ISO 100

Wasser

Der tiefblaue Himmel und die Lichter reflektieren wunderschön im Wasser. Finde einen Platz, der beides bietet: Wasser und künstliches Licht. Das kann eine Stadt am Fluss oder am Meer sein, vielleicht mit einer interessant beleuchteten Brücke oder ein Hafen. Sogar ein Industriehafen kann zur blauen Stunde ein tolles Fotomotiv sein. Das Meerespanorama an einer Küste mit Felsformationen bietet sich auch als sehr gute Location an.

Die Vasco da Gama Brücke in Lissabon: 16 mm, f/9, 30 s, ISO 100

Architektur

Ein imposantes Gebäude, das wunderschön beleuchtet ist, wird mit einem satten blauen Himmel noch imposanter. Es kann ein modernes oder aber auch ein faszinierendes historisches Gebäude mit wundervollen Details und Strukturen sein. Lichtspuren von Autos, Bussen oder Straßenbahnen geben dem statischen Architekturfoto die nötige Prise Dynamik.

Blaue Stunde
Die Wiener Staatsoper: f/13, 20 s, ISO 100, NiSi Natural Night Filter

Pro-Tipp

Der Natural Night Filter von NiSi blockiert die Wellenlänge von Lichtverunreinigungen, was besonders zur blauen Stunde oder bei Nacht zu verblüffenden Ergebnissen führt. Hier zwei Bilder von der Wiener Oper zur blauen Stunde.
Links: Mit NiSi Natural Night Filter
Rechts: Ohne 

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Blue hour photography
Blaue Stunde ohne Natural Night filter

Was auch immer du zur blauen Stunde fotografierst, nimm genug Himmel mit in dein Bild. Er ist schließlich der wichtigste Nebendarsteller.

Welche Kameraeinstellungen wähle ich beim Fotografieren in der blauen Stunde?

Die allererste Entscheidung, die du treffen musst, ist, ob du im RAW oder Jpeg Format fotografierst. Ich empfehle dir das RAW Format, mit dem du anschließend am Computer mit der Bildbearbeitungssoftware mit den Weißabgleichseinstellungen experimentieren kannst. Das kannst du nämlich nicht, wenn deine Fotos Jpegs sind.

Wenn du das wählst, musst du schon beim Fotografieren den Weißabgleich einstellen und wirst möglicherweise ein paar Einstellungen ausprobieren müssen. Der Automatische Weißabgleich ist normalerweise keine schlechte Wahl, aber durch die Mischung aus künstlichem und natürlichem Licht wählt die Kamera einen Mittelwert, der möglicherweise nicht ideal ist. Wenn du die Einstellung Kunstlicht wählst, könnte es passieren, dass das Foto zu kühl wird. Da gilt es also zu experimentieren oder noch besser, einfach in RAW fotografieren und sich darüber erstmal keine Gedanken zu machen.

Weissabgleich Kamera
Vergleich Weißabgleich Einstellungen: 24 mm, f/11, 4 s, ISO 100

Die Blende stellst du zwischen f/8 und f/11 ein, damit du eine größere Tiefenschärfe erzielen kannst. Das gilt bei den Motiven, die ich oben erwähnt habe. Je nachdem, welche ISO du auswählst, könnte die Belichtungszeit für Freihandaufnahmen schon zu lang sein und deine Fotos werden unscharf. Nehmen wir einmal an, du hast ein Stativ. Dann solltest du die ISO auf 100 stellen und kannst somit mit längeren oder langen Belichtungszeiten fotografieren und tolle Effekte kreieren. Wenn du kein Stativ hast oder die Kamera nicht stabil ablegen kannst, probiere es mit der ISO Automatik. Es gibt Kameras, die lassen einen maximalen Wert einstellen. Manche Kameras schaffen eine tolle Qualität auch mit hoher ISO, bei manchen hingegen beginnen die Fotos schon bei ISO 1600 zu rauschen. Grundsätzlich gilt: je niedriger die ISO eingestellt ist, desto besser wird die Qualität des Fotos.

Blue Hour Belvedere Vienna
Das Schloss Belvedere in Wien: 35 mm, f/9, 13 s, ISO 100

Und noch ein paar Tipps zum Fotografieren in der blauen Stunde

Verwende einen Blaue-Stunde-Rechner, um herauszufinden, wann sie beginnt und endet. Es gibt Online Seiten wie Jekophoto oder ganz einfache Apps wie Blaue Stunde, PhotoPills oder Sun Surveyor. Letztere ist in einer gratis und einer Pro Version erhältlich.

Die blaue Stunde kann sehr kurz sein, je nachdem, wo du dich befindest und an welchem Tag. Sei also unbedingt vor Beginn dort und probiere verschiedene Winkel und Positionen. Wenn du im Jpeg Format fotografierst, bedenke, dass du möglicherweise die Einstellungen des Weißabgleichs verändern musst. Vielleicht wählst du doch lieber das RAW Format, um Zeit zu sparen.

Stelle die Blende gemäß Motiv ein. Um mehr Tiefenschärfe zu erzeugen, musst du die Blende schließen. Bei den oben erwähnten Motiven empfehle ich eine Blende zwischen f/8 und f/11.

Eine kleine Blende (= größerer Blendenwert) erzeugt den Sterneffekt bei Lichtern.

Wenn du ein Stativ verwendest, schalte den Bildstabilisator am Objektiv aus und verwende eine Fernbedienung oder den Selbstauslöser, um zusätzliches Verwackeln zu vermeiden.

Zeige genug vom schönen, satten Blau des Himmels.

Um einen durchgehenden Lichtspur-Effekt von Autos zu erzielen, sollte die Belichtungszeit zwischen 3 und 10 Sekunden liegen.

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